Wisent-Verein will alle Rechtsmittel ausschöpfen

Von Klaus J. StanekAllgemeines1 Kommentare

In der Frage der Einstweiligen Verfügung des Amtsgerichts Schmallenberg muss man sich schon wundern:

Seit knapp eineinhalb Jahren stänkert und zetert der Waldbauer Hermann-Josef Vogt medienwirksam gegen das Wisentprojekt. Dennoch legt er große Rotwildfütterungen an und lockt somit eben nicht nur Rotwild an, das für eine Vermarktung seines Jagdrevieres somit viel attraktiver ist. Sein Brennholzwald – und für andere Zwecke sind seine Bäume an diesem Standort nicht zu gebrauchen – wird auch von anderen Wildarten geschält. Diese ignoriert er in der öffentlichen Wahrnehmung.

Und das Amtsgericht Schmallenberg erläßt trotz der 16 1/2 Moante seit Freisetzung der Wisente, seit derer Herr Vogt gegen das Wisentprojekt zu Felde zieht, wegen Eilbedürftigkeit eine Einstweilige Verfügung ohne Hauptverhandlung in der Sache und Anhörung der Gegenseite. Dabei ist rechtlich die Frage, ob die Wisente mittlerweile herrenlos sind, gar nicht beantwortet worden. Man muss sich die Farge stellen, wieso Herr Vogt sich knapp eineinhalb Jahre Zeit läßt, bevor er eine Eilbedürftigkeit sieht und davon auch noch den Richter überzeugen kann. Ist der erkennende Richter ein Gesinnungstäter oder hat er er das Gesetz nicht richtig verstanden?

Pressemitteilung des Wisentvereins vom heutigen Tage

„Einspruch gegen Einstweilige Verfügung | Bernd Fuhrmann kündigt harte
Auseinandersetzung an

Bad Berleburg, 31. August 2014. „Wir werden das für Westeuropa einzigartige
Artenschutzprojekt zur Erhaltung der Wisente mit allen rechtlich möglichen Mitteln
verteidigen“, erklärt der erste Vorsitzende des Wisent-Trägervereins, Bernd
Fuhrmann. Der Verein reagiert damit auf die Einstweilige Verfügung des
Schmallenberger Amtsgerichts, wonach den zwölf frei lebenden Wisenten das Betreten
der Grundstücke des Beschwerde führenden Waldbauern Hermann-Josef Vogt aus
Schmallenberg untersagt wurde.
Bernd Fuhrmann kündigte an, dass der Wisent-Verein am Montag Widerspruch gegen die
einstweilige Verfügung einlegen werde. Er teilt weiter mit, dass –
parallel zur juristischen Auseinandersetzung – alle Möglichkeiten
intensiv geprüft würden, wie den Tieren das Betreten der
inkriminierten Grundstücke verwehrt werden könne.
Die einstweilige Verfügung war dem Wisent-Verein am
Freitagnachmittag durch einen Boten zugestellt worden – allerdings
erst nachdem sie bereits einigen Medien zugespielt worden war.
„Dieses unseriöse Vorgehen zeigt uns klar, wo hier die Absicht liegt“,
sagt Bernd Fuhrmann: „Einzelnen Waldbauern geht es nun nicht
mehr darum, Schälschäden an Bäumen finanziell ersetzt zu
bekommen, sondern das Artenschutzprojekt insgesamt zu
torpedieren. “
Seit der Freisetzung der Tiere im April 2013 sind bisher
Schälschäden in Höhe von rund 16.000 Euro von privaten
Waldbesitzern im Hochsauerlandkreis gemeldet und von einem
unabhängigen staatlich bestellten Gutachter bestätigt worden. Die allermeisten Schäden
sind beglichen, jüngste Meldungen befinden sich aktuell in der Bearbeitung.
Die Begleichung von Schälschäden war von Beginn des Artenschutzprojektes an ein ganz
wichtiger Handlungsgrundsatz des Trägervereins. Und es ist auch sein Bestreben,
entstandene Schäden so schnell wie möglich finanziell auszugleichen. „Wenn dieser
Konsens nun von einzelnen Waldbauern aufgekündigt wird, lassen wir das nicht
unbeantwortet“, erklärt Bernd Fuhrmann. „Wir werden in der Öffentlichkeit eindeutig auf
die negativen Folgen für bedrohte Tiere, Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Image der
Region hinweisen und deutlich machen, wer dann dafür die Verantwortung trägt“, kündigt
der Vereinsvorsitzende eine harte öffentliche Auseinandersetzung an.
Das Artenschutzprojekt wird vom Bundesamt für Naturschutz aus Mitteln des
Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und dem Ministerium für
Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-
Westfalen sowie vom Kreis Siegen-Wittgenstein, der Stadt Bad Berleburg und zahlreichen
privaten Sponsoren gefördert.
Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.wisent-welt.de.“